Episode V – Wird schon werden

Puh, das war ein Sommer, was? Ach, Moment, wir sind ja noch mittendrin. Aber immerhin ist diese völlig geisteskranke Hitzewelle vorüber. Das war was: 41° im Schatten und das mitten in Deutschland! Da kann man schon mal verzweifeln. Und sich wundern, ob da doch was dran ist, an diesem Klimawandel. Aber ist das so? Ich will gar nicht anfangen, mit pseudowissenschaftlichen Aussagen um mich zu werfen. Hier aber einfach mal ein Diagramm zur durchschnittlichen Lufttemperatur der letzten +/- 170 Jahre:

Quelle: Umweltbundesamt.de

Da kann man jetzt mäkeln und meckern, wie man will, eine Tatsache bleibt erst mal: es wurde wärmer. Ab den 1980ern, um genau zu sein. Jetzt wäre es an der Zeit, in wissenschaftlich fundierte Überlegungen einzutauchen, was das bedingt(e) und inwiefern das Rückschlüsse auf eine menschliche Beteiligung zulässt. Will ich aber gar nicht. Mir fehlt dazu der fachliche Hintergrund und einfach nachquatschen kann ja jeder. Was ich aber besprechen will, ist diese völlig zurück gebliebene „Wird schon werden“-Mentalität.

Wie immer versuche ich das mit einem netten Beispiel zu verdeutlichen. Stellt euch vor, wir Menschen wären ein, der Einfachheit halber, männlicher Zeitgenosse mittleren Alters und Intellekts, der sein Leben auf die Kette kriegen will und soll. Sein Leben ist in diesem Beispiel unser Planet. Warum? Was passiert, wenn unsere Erde abfackelt? Wir sind ebenfalls weg. Richtig? Richtig. Diese einfache Abhängigkeit wird hier hoffentlich keiner bestreiten. Falls doch – macht gerne einen Termin mit mir aus, dann besprechen wir das mal unter vier Augen, um euch die Peinlichkeit einer Podiumsdiskussion zu ersparen.

Also. Durchschnittlicher Typ steht für die Menschen, sein Leben als Gesamtheit für unseren Planeten. Sagen wir nun, dass dieser Typ sich gut um sich und sein Leben kümmert. Er geht regelmäßig zum Arzt, ernährt sich gesund, hat eine Arbeit, die nicht nur seine Miete zahlt, sondern ihn auch happy macht. Geil, oder? Sein Leben läuft also, könnte man sagen. Jetzt drehen wir das mal.
Der Kerl ist ja wie gesagt eher mittelmäßig begabt und fängt an, Dinge schleifen zu lassen. Briefe seiner Bank, seines Arztes und seines Arbeitgebers bleiben liegen. Vorsorgeuntersuchung? Braucht kein Mensch! Und wenn er Abends nach Hause kommt, schiebt er sich erst mal einen Pizzaburger in die Röhre. Seine Arterien verfetten, der Arme wird immer unansehnlicher, sein Körper rebelliert und sein Chef, der ihm per Post mehrere Abmahnungen der ekelhaften Flatulenz am Arbeitsplatz wegen geschickt hat, kündigt ihm aufgrund betrieblicher Notwendigkeit. Niemand will mit dem Knallkopf arbeiten, der inzwischen kaum noch aus seinem Stuhl hoch kommt und aus allen Poren Pizzaburger schwitzt. Fuck, ich würde den Typen selbst aus dem Büro werfen, wenn ich mit ihm arbeiten müsste!

Quelle: Wes Dickson, Flickr

Witzige Geschichte: Der Typ ist wir. Also wir sind wie dieser Typ. Wir benehmen uns wie die sprichwörtliche Axt im Walde, nehmen uns, worauf wir Bock haben, ohne auf die Konsequenzen zu achten und wenn uns ein Fachmann sagt, dass wir gerade richtig Hardcore-mäßig abfucken, zucken wir nur desinteressiert mit den Schultern. Schlimmer noch, wir fordern Mal um Mal Belege für Klimawandel, resistente Keime oder die Auswirkungen von Plastikmüll auf Fauna und Flora – nur um dann all diese Belege anzuzweifeln und in den Wind zu schießen!

Nehmen wir mal pessimistisch an, dass all die Wissenschaftler sich irren und uns einfach nur auf den Arm nehmen wollen. Dass verschwindende Gletscher, brennende Arktis und Fisch- und Vogelmägen voll Plastikmüll alles Zufälle sind, die ohne weitere Konsequenzen bleiben. Nehmen wir also an, wir würden den Aufforderungen der Fachleute trotzdem folgen, einfach zum Spaß, und weniger Fleisch essen, weniger sinnfrei Auto fahren, weniger fliegen, weniger verschwenden und weniger Müll produzieren. Was wäre das schlimmste, das absolute Desaster, das passieren könnte?

Am Ende, zumindest sehe ich das so, während ich meinen Pizzaburger in kleine, mundgerechte Stücke schneide, hätten wir eine sauberere Welt, hätten unsere Umgebung besser kennen gelernt und würden achtsamer mit unserer Umwelt umgehen, die uns letztlich beherberg, ernährt und zu unserer Erholung beiträgt. Richtig miese Nummer also!
Wir schaffen es tatsächlich, aus einem Win-Win-Szenario ein Loose-Loose-Szenario zu machen. Nicht nur, dass wir uns gegen den Rat kluger Menschen wehren, als wären sie bis an die Zähne bewaffnete, raffgierige Kriminelle, nein, wir verpassen auch noch den einfachsten Einstieg, um aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen. Und warum? Weil wir bequeme Wichser sind. Die Faulheit, die viele von uns allein schon daran hindert, Sport zu treiben, setzt sich in unserem Unwillen, unserer Unfähigkeit fort, Mutter Natur mit dem logischen und gebührenden Respekt zu behandeln, den sie nicht nur verdient, sondern den es braucht, um zu überleben.

Quelle: GoodFon.com

Allen, die jetzt genervt aufstöhnen, und ihre Abneigung artikulieren möchten, Abstriche von ihrem Lebensstandard machen zu wollen, ihren Wohlstand einzuschränken, um die Gesamtheit des Planeten zu verbessern und zu schützen, sei das folgende Zitat ans Herz gelegt, mit dem ich diesen Blog auch schließen möchte:

There’s a storm coming, Mr. Wayne. You and your friends better batten down the hatches, because when it hits, you’re all gonna wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us.

Catwoman zu Batman in „The Dark Knight Rises“, 2012

Frei übersetzt kommt in etwas das heraus: „Ein Sturm wird kommen, Mr. Wayne. Sie und Ihre Freunde sollten sich darauf gefasst machen, denn wenn er Sie trifft, werden Sie sich fragen, wie Sie in solch einem Überfluss leben und so wenig für den Rest von uns übrig lassen konnten.“ Unser Wohlstand beruht darauf, dass jemand anderes dafür zahlen muss – ziemlich oft unser Planet. Die Rechnung dafür wird kommen und Mutter Natur hat mehrmals bewiesen, dass sie die ungnädigste Schuldeneintreiberin von allen ist.

Fy.

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