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Episode II – Pinkeln, Händewaschen und was das über uns als Mensch aussagt

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Toller Montag soweit. Kaum wach im Studio angekommen, Fenster aufgerissen, um das Wochenende auszutreiben wie einen giftigen Dämon und Wasser aufgesetzt, um Kaffee zu kochen – ZACK zerbröselt mein Slow-Drip-Glaskoblen wie die Hoffnungen der Germany’s Next Topmodell Kandidatinnen, groß raus zu kommen. Mit einer Mischung aus Wut und Traurigkeit blicke ich auf die Überreste eines produktiven Tagesbeginns und wundere mich, womit ich das wohl verdient habe.

Das Gute ist immerhin, dass das Teil immerhin so zerbröselt ist, dass ich damit, pennerlike, immer noch Kaffee kochen kann und somit nicht völlig desorientiert in die Woche starten muss. Glück gehabt. Aber was hat das alles mit dem Titel zu tun? Nichts, ich wollte nur klarmachen, dass meine Grundstimmung heute mal wieder richtig beschissen ist. Also gibt es auch heute keine aufmunternden Worte. Schade, oder? Hört auf zu heulen und legt die Psychopharmaka zur Seite, dafür ist später Zeit.

Heute möchte ich dem geneigten Leser einen fleckigen Spiegel vorhalten und zeigen, was unsere alltäglichen Rituale über uns als Menschen aussagen. Mit alltäglichen Ritualen meine ich den Gang zur Toilette – nichts spricht dickere Bände über unser innerstes Ich als die Entsorgung dessen, was uns zu über 70% ausmacht. Habt ihr schon mal andere beobachtet, wie sie sich dessen entledigen? Ich rede nicht davon, dem Anderen (oder der Anderen) sein (oder ihr) bestes Stück abzustarren. Sondern davon, wie sie die Nasszelle betreten und wieder verlassen.

Grundlegend gibt es da drei Typen. Den Normalo: Rein, pinkeln, Händewaschen, raus. Den Egomanen: Rein, Hände waschen, pinkeln, raus. Und den Saubermann: Rein, Hände waschen, pinkeln, Hände waschen, raus. Und natürlich den Ekel, der froh sein kann, wenn er vorm Pinkeln noch die Hose öffnet. Aber lassen wir den mal außen vor.

Warum machen wir das so, wie wir es machen und was bringt uns dazu? Ein paar Überlegungen: Der Normalo, zu dem ich mich bekennen möchte, verrichtet seine Körperfunktion und nutzt seine Hände vorrangig dazu, die Hose zu öffnen. Eine Berührung der Kronjuwelen (männlich oder weiblich) ist hier meist nicht nötig. Da man sich aber auf der Toilette befand, gehört es sich, die Hände zu waschen. Nicht nur der Keime wegen, die unter Umständen mit den Körpersäften ausgespült werden, sondern auch der anderen Leute wegen. Man weiß ja nie! Also Hände waschen, bevor man wieder unter Leute geht und Hände schütteln muss. Logisch, oder?

Der Egomane sieht das anders: bevor das beste Stück berührt wird, werden erst mal die Hände von den Berührungen anderer Menschen gereinigt. Soweit nachvollziehbar. Beim Rausgehen das Händewaschen aber sein zu lassen, erscheint mir persönlich nicht nur unhygienisch, sondern auch wenig nachvollziehbar. Man trägt ja nicht nur seine eigenen Keime mit sich heraus, sondern eben auch alles, was andere am Stillen Örtchen hinterlassen haben. Blöd irgendwie. Aber Hauptsache, man hat den Schniepi nicht mit dem Kollegen Müller an der Hand angefasst! Diesen Personen empfehle ich wärmsten ein Update ihrer Feinmotorik: Es ist erstaunlich, was man alles bewerkstelligen kann, wenn man nicht einfach nur kramt und fummelt…

Der Saubermann denkt den Gang zur Toilette zu Ende: Er möchte weder fremde noch eigene Keime verbreiten und geht auf Nummer sicher. Dabei legt er allerdings eine etwas pedantische Art an den Tag, die nicht nur zu spröder Haut, sondern auch zu Überreizung der Haut führen kann, die dann wiederum die Abwehreigenschaft gegen eindringende Keime verlieren kann – es ist ein Teufelskreis.

Die Art und Weise, wie wir uns erleichtern, sagt deswegen etwas über unser Ich aus, weil es zeigt, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Halte ich meine Angelegenheiten für mich und benehme mich, zeige ich Anstand? Oder möchte ich mich hauptsächlich vor anderen „schützen“ und gebe wortwörtlich einen Dreck darauf, was andere davon halten, dass sie mir nach dem Gang zur Toilette im übertragenen Sinne die Unterhose schütteln?

Diese Überlegung ließe sich auf vieles erweitern, zeigt doch auf jeden Fall eins: Wir Menschen haben ein sehr seltsames Verhältnis zu unseren Körperfunktionen. Während es sogar mancher Hund schafft, seine Hinterlassenschaften zu verscharren oder sich zumindest in irgendwelchen Büschen zu verstecken, fehlt es bei manchen unserer Mitmenschen nicht viel und sie würden sich einfach pinkelnd im Kreis drehen. Die Ich-Gesellschaft reicht vom Font-Portfolio bis zum letzten Tropfen und wir sollten uns vielleicht häufiger fragen, ob wir die Pimmel-Bimmel-Hand eines anderen Menschen schütteln möchten, oder ob uns es nicht doch lieber wäre, wenn sich jeder bestmöglich um seine eigenen Mist kümmert, damit der jeweils andere nicht davon beschmutzt wird.

Damit das ins Blut übergeht rufen jetzt bitte alle, die diesen Text gelesen haben mit mir im Chor: „Ich werde mir nach dem Pinkeln die Hände waschen!“ Seht ihr? Ist doch ganz einfach.

Frohes Wasserlassen.

Fy.

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