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Episode I – Prolog

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Kupferfarbene Sonnenlanzen stechen durch die Dunstglocke, die, einem Leichentuch gleich, über Barcelona liegt. Tauben bringen sich mit trägen Flügelschlägen in Sicherheit, ihr graues Gefieder bedeckt vom Staub dieser zeitlosen Stadt. Euer Erzähler sitzt auf einer schäbigen Parkbank, in einer Hand seine Kamera, in der anderen eine rote Dose, die vermutlich ein alkoholisches Getränk enthält, aber wer weiß das schon mit Sicherheit. In diesem Moment, unter Platanen und einem fremden Himmel, ist der Entschluss gefallen, dass die Welt noch einen weiteren Blog braucht.

Nicht diesen Larifari-Beauty-Bullshit (keine große Überraschung an dieser Stelle), abgekupferten Reise-Einheitsbrei (auch wenn es mir da in den Fingern juckt) oder Fitnessgelulle. Wer so etwas sucht, kann an dieser Stelle getrost aufhören zu lesen, sich mit Q10-Gesichtscreme einreiben und Zumba tanzend zur Hölle fahren.

Was gibt das hier also? Ich bin kein netter Mensch, kein Philanthrop, ich habe nichts zu erzählen, was eure kleinen Herzchen hüpfen ließe. Die Welt ist dunkel und voller Elend – da braucht es nicht noch einen Heileheilesegen-Singer. Es braucht Wut! Empörung! Realismus! Und eine gehörige Portion Sarkasmus, um mit der ganzen destruktiven Dummheit klarzukommen, die uns so langsam an den Rand der Verwüstung bringt. 

Meine Damen und Herren, sehr geehrte Gutgläubigen, Weltverbesserer und Tagediebe: Welcome to Manic Mondays! Einer wüsten Kakophonie ungefilterter Kritik und Lebenserfahrung, die euch jeden Montag aus der Träumerei des Wochenendes in die harsche Realität zurück reissen soll. Kreative Beschimpfungen, humoristische Übertreibungen und natürlich die Lektionen, die ich aus meinen Fehlern lernte, damit ihr das nicht selbst tun müsst. Klingt gut? Dann noch mal: Welcome to Manic Mondays!

Euer Erzähler und Protagonist erhebt sich von der Parkbank, dessen Holz so abgegriffen ist, als hätten darauf schon die Revolutionäre des alten Barcelonas ihre Hinterteile platziert, um den Sturz des Regimes zu planen, und wirft die rote Dose mit der rechten Hand gekonnt in einen Mülleimer. Man stelle sich einen Kameraschwung um seine Person vor, der Hintergrund verschwimmt zu einem Schleier aus Farben, bis die fiktive Kamera sein Gesicht im Close-Up einfängt.

Sich selbst das Handy, Moment, den Spiegel vorhalten!

„Lektion Eins: Seid keine Arschlöcher. Was, jetzt schon pikiert? Die Hälfte von uns Menschen verhält sich doch so, dass sie sich selbst regelmäßig ohrfeigen müsste, würde sie sich mal aus dem Dunstkreis ihrer eigenen Selbstverherrlichung herauswagen“, sagt der umkreiste Protagonist und zeigt vage auf das Häusermeer unter sich. „Jede Minute, jeden Tag und in jeder Stadt dieser Welt begehen wir Fehler, die zum Exitus unsere Spezies führen könnten“, fährt er schwadronierend fort und beginnt, an der Mauer in Richtung der Treppe zu laufen, die ihn auf den Gipfel des kleinen Hügels bringen wird, der Barcelona überblickt wie ein missgünstiges Kind sein Spielzimmer. Tatsächlich wurde das Castell de Montjuic nicht nur zur Verteidigung der Stadt genutzt: Im Bürgerkrieg nutzte das vorgenannte Regime die erhabene Stellung, um die Kanonen auf die Stadt selbst zu richten und Angst und Schrecken zu verbreiten – von der Funktion als Gefangenenlager ganz abgesehen. „Wir leben in Eifersucht und Gier, suchen stets nach unserem eigenen Vorteil und geben einen feuchten Dreck darauf, wie das die Menschen um uns trifft.“

Was unser etwas ruppig angebundener Freund sagen möchte, ist wohl, dass wir uns zu sehr in unserem eigenen Mikrokosmos bewegen und uns sicher in den vier Wänden unseres eigenen Geistes wähnen. Aber die nervigen Erscheinungen, die uns den Weg versperren, denen wir zu wenig Trinkgeld geben, die für uns arbeiten oder für die wir arbeiten, haben genau das gleiche Problem: Sie sind einzelne Individuen, gefangen in der Schwärze hinter ihrer Stirn. 

Fangen wir diesmal also mit einer einfach Lektion an: Wir sind alle nur Menschen. Ja, auch ich. Wir machen Fehler, haben unsere kulturellen und persönlichen Einstellungen und Ansichten und sind nur schwer dazu zu bewegen, Empathie über Erfahrungen und Ansicht zu stellen. Nehmt euch also im Alltag etwas Zeit, zu reflektieren, was ihr tut. Würdet ihr das auch feiern, wenn es jemand anderes tun würde? Schadet es jemandem? Ist es vermeidbar? Und bitte, bitte, bitte, übernehmt diese Regel als Mantra in euer Leben: Seid nicht dumm. Dafür haben wir einfach keine Zeit.

Bis zum nächsten Manic Monday. In garstiger Liebe der Eure,

Fy.

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